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Marina Frenk, Marco Massfra -   Foto:  Wolfgang Silveri
Marina Frenk -  Foto: Wolfgang Silveri
Jele Brückner, Benno Ifland, Marina Frenk -   Foto: Wolfgang Silveri
Ronny Miersch, Marina Frenk -   Foto: Wolfgang Silveri
Premiere
Henrik Ibsen
Nora

Ist die Ehe ein Arrangement, eine Gütergemeinschaft oder ein Hort der großen Gefühle? Ein wärmender Kokon verlogener Gemütlichkeit? Wie viel Wahrheit verträgt sie? Und was gehört unverzichtbar zum Beziehungsglück dazu? Gleichberechtigung? Opferbereitschaft? Finanzielle Sicherheit? Leidenschaft? Liebe?
Alles Fragen, denen Ibsen in seiner „Nora“ auf den Grund geht. In dem 1879 entstandenen Bühnenklassiker seziert er die Fundamente der bürgerlichen Ehe. Das Stück ist ein Psychokrimi und erzählt von Menschen, die sich in einer ungesicherten, prekären Lage befinden, deren Existenz von Absturz, Krankheit, sozialer Isolation und wirtschaftlicher Not bedroht ist. Und die versuchen, in ihren Paarbeziehungen einen Schutzraum zu finden, der Sicherheit und Geborgenheit bietet.
Torvald und Nora Helmer sind ein glückliches Paar: Er ist gerade zum Bankdirektor aufgestiegen. Alle finanziellen Schwierigkeiten, mit denen die junge Ehe zu kämpfen hatte, sind überwunden. Drei Kinder entwickeln sich prächtig. Sie ist eine kreative Frau, voller Liebe für ihren Ehemann. Er erfüllt ihr fast jeden Wunsch. Eine Traumfamilie, so scheint es.
Als erste Amtshandlung entlässt Torvald den Bankangestellten Krogstad. – Und eine Entwicklung nimmt ihren Lauf, die alle Gewissheiten dieser Ehe ins Wanken bringt: Vor Jahren hatte Nora von eben jenem Bankangestellten auf halblegale Weise einen Kredit bekommen. Sie brauchte dringend Geld, um ihrem damals schwer kranken Mann eine lebensrettende Erholungsreise in den Süden zu finanzieren. Torvald selbst durfte nichts von dem Geschäft erfahren, er hätte es nicht gebilligt. Krogstad droht, den Deal auffliegen zu lassen, falls es bei seiner Entlassung bleibt. Und so kommen zwischen den Eheleuten ungeahnte Wahrheiten auf den Tisch. Die beiden erscheinen sich plötzlich wie Fremde. Sie erschrecken voreinander. Es wird deutlich: Hinter der Fassade ihres bürgerlichen Liebesglücks bestimmten Absturzängste, Geldfragen, Lügen, falsche Projektionen und Abhängigkeit den Alltag ihrer Ehe. 

Regie  Elmar Goerden
Bühne  Silvia Merlo, Ulf Stengl
Kostüme  Lydia Kirchleitner

Besetzung116
Advokat Helmer Marco Massafra
Nora Marina Frenk
Doktor Rank Benno Ifland
Frau Linde Jele Brückner
Rechtsanwalt Krogstad Ronny Miersch
 

„Der Abstieg in die Hölle des Ehelebens wurde von Marina Frank und Marco Massafra glänzend zelebriert. Goerden inszenierte mit den beiden jungen Mimen einen Geschlechterkampf aus Augenhöhe, ein Duell ohne Sieger. Beide Darsteller mit großer Präsenz und feinem Zugriff auf ihre Charaktere. [...] Goerdens letzte Inszenierung zeigte, noch einmal die Stärken dieses Regisseurs: Er vermag es, Texte auf Brüche abzuklopfen, auf ihre Aussagen zur Gegenwart und ihre Gültigkeit. In „Nora“ ist es einmal mehr die bürgerliche Verfasstheit, die er in den Focus rückt und langsam und einfühlsam ihrer Oberflächlichkeit entkleidet.“
(WAZ)

„Nora, die treue Preziöse, der Kolibri im Ehekäfig, hat bei Marina Frenk ein exotisch anmutendes keckerndes Wesen und Kammerkätzchen-Appeal. Sie treibt auf dem Klavier seltsame Dinge, ist auf harmlose Art gefallsüchtig und zeigt ihrer Freundin Kristine Linde (Jele Brückner) mit markierten Trockenschwimmübungen, wie unbeschwert sie des Lebens Fluten zu pflügen beabsichtigt. Kaum würde man ihr zunächst ihre unspektakulär kühle Entschlossenheit und ihren kaltblütigen Mut zutrauen, der sie den Weg ins Freie einschlagen lässt.“
(Kulturkenner)

„Nora hat überraschenderweise noch ein anderes Zentrum: Jele Brückner als Jugendfreundin Kristine Linde verkörpert die erwachsene Variante der Verzweiflung. Eine Frau, die nichts mehr besitzt außer dem Mut, mit dem Erpresser Nils Krogstad (Ronny Miersch) einen Neuanfang zu wagen und damit alles zum Guten zu wenden. Wie sie sich ihm anbietet und immer wieder mit dem Fuß aufstampft, um Haltung zu bewahren, das ist bewegende Darstellungskunst.“
(RuhrNachrichten)

„Die vierundzwanzig Jahre junge Marina Frenk in der Titelrolle wird zur Entdeckung: Eine Kindsfrau mitschwarzem Pagenkopf und im violetten Minikleid; ein bunter Kolibri der sich wohl fühlt im goldenen Käfig; eine Spielerin, die hereinstürmt und weiß, wie sie die Männer um den Finger wickelt; eine Unbekümmerte, die sich über Einreden ihres stirnrunzelnden Gatten amüsiert und sich am Klavier austobt.“
(FAZ)

„Elmar Goerdens Nora ist eine sanft schillernde, nie einzuordnende Wucht: Marina Frenk kommt aus Moldawien, und ihr leicht exotisches Aussehen verweist ganz zart, ohne jede Betonung darauf, dass diese Ehe eine geschäftsmäßig geplante sein könnte. Sie spielt das Spiel des Hoppelhäschens, durchaus mit Freude daran, auch wenn man sich dessen nie sicher sein kann. Ihr gegenüber ächzt Marco Massafra als Helmer unter der Last der in Aussicht stehenden Karriere. Ein flackernder Mensch, der sich allein schon Last genug ist.“
(Süddeutsche Zeitung)



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